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Campbeltown

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Art: Single Malt
Land und Region: Schottland, Campbeltown
Alter: 12 Jahre
Alkoholgehalt: 57,2% Vol.
Fasstyp: 70% Ex-Bourbon und 30% Ex-Sherry
Farbe: Bernstein
Whiskybase ID: 255271

Es ist schön, mal wieder einen Springbank im Glas zu haben, denn die verfügbaren (und bezahlbaren) Abfüllungen der Destillerie sind dieser Tage leider sehr rar.  Heute habe ich den 12-Jährigen in Fassstärke im Glas, und zwar das Batch 25 – eine Mischung aus Bourbon- und Sherryfässern. 

Nase

Ein betörender Antritt mit deutlichem Sherry. Der Geruch ist nicht süß, sondern eher trocken und erinnert an den typischen Geruch eines muffigen Dunnage-Warehouses. Eine Mischung aus Wein, altem Holz, Möbelpolitur und Ledersessel. Interessant, da nur 30% dieses Malts in Sherryfässern reifte. Nach einem kurzen Moment kommen dann auch die anderen Fässer durch. Ich habe eine leichte Süße von Birnen und Pflaumen, dazu Zitronencreme, Butterkekse und ein Hauch Vanille. Die Eiche ist allgegenwärtig und bringt eine interessante Würze hinzu. Diese intensiviert sich nach dem ersten Probieren noch weiter, wobei sich auch eine sirupartige Süße langsam im Hintergrund aufbaut. Dass ich einen Malt mit fast 60% Alkohol im Glas habe, würde ich anhand der Nase nicht vermuten.

Geschmack

Bei einem sehr intensiven Antritt kommt die gesamte Kraft der Fassstärke zur Geltung. Warm und angenehm breitet er sich im Mund aus und bringt ein leicht scharfes Prickeln auf die Zungenspitze. Das Mundgefühl ist überraschend süß, fast sirupartig. Es verschmelzen helle Früchte des Bourbon mit roten Früchten und Beeren des Sherry zu einem sehr dichten, facettenreichen Gesamteindruck. Ich habe Assoziationen von Pfirsichen, Erdbeeren und Kirschen. Dann kommt, wie auch schon in der Nase, die Würze der Eiche mit altem Holz, einer leichten Bitterkeit, sowie Vollmilchschokolade.

Abgang

Die Vollmilchschokolade wandelt sich im Abgang zur Zartbitterschokolade. Zunächst habe ich noch die volle Ladung Früchte auf der Zunge, dann rückt die Würze der Eiche mehr und mehr in den Vordergrund. Ein zunehmend trockenes, leicht bitteres Gefühl breitet sich im Rachen aus, zusammen mit einem angenehmen Hauch von Torfrauch. Der Abgang ist relativ lang. Gegen Ende kommen die Früchte noch einmal hervor und der Geschmack erinnert mich nun etwas an Kirschbonbons.

Mit Wasser 

Die Nase verändert sich zunächst nicht besonders stark, die Eiche geht jedoch etwas zurück und die süßen Noten treten in den Vordergrund. Auch auf der Zunge intensiviert sich mit ein paar Tropfen Wasser die sirupartige Süße. Die Bourbonfässer werden präsenter und das Geschmacksbild entspricht nun eher dem Verhältnis der beiden Fasstypen. Der Geschmack wirkt nicht mehr ganz so komprimiert, sodass jetzt auch der zarte Springbank-Torfrauch spürbar ist. Dieser Eindruck setzt sich auch im Abgang fort. Die Bitterkeit der Eiche wirkt etwas abgemildert und die süßen Früchte bleiben zusammen mit dem zarten Rauch deutlich länger zurück. Mit Wasser ist er deutlich einfacher zu trinken. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, muss jeder für sich selbst herausfinden.

Fazit

Die 12 Jahre Reifung wurden von diesem Malt perfekt ausgenutzt. Er wirkt durchaus ein paar Jahre älter als sein Alter auf dem Etikett. Die beiden Fassarten ergänzen sich in ihrer Aromatik sehr gut. Überrascht bin ich von der Intensität und der Eichenwürze, welche der geringe Anteil der Sherryfässer mitbringt. Dies findet man in Zeiten von “Sherry-seasoned Casks” wirklich nicht mehr oft.

Wertung: 8,8 / 10

Art: Single Malt
Land und Region: Schottland, Campbeltown
Alter: Ohne Altersangabe
Alkoholgehalt: 46% Vol.
Fasstyp: Amerikanische Eiche Ex-PX Sherryfässer
Farbe: Bernstein
Whiskybase ID: 212766

Nase

Ein intensiver Antritt mit schwerem und leicht muffigem Sherryaroma. Sofort finde ich Trockenfrüchte (Rosinen). Es wird etwas süßer mit Honig und eingelegten Kirschen. Das Aroma erinnert jetzt etwas an Rumtopf. Dann kommen würzige Eichennoten durch und die Nase wird allgemein etwas säuerlicher. jetzt erinnern die Kirschen eher an frische Sauerkirschen. Die Eiche bringt eine Assoziation von dunkler Schokolade (> 80% Kakaoanteil).

Geschmack

Zunächst sehr süß mit viel Sherry und wieder leicht muffig. Die Rosinen kommen hinzu, ebenso wie die Kirschen, ergänzt durch säuerliche dunkle Beeren. Die Eiche kann sich gegen die Süße nicht wirklich durchsetzen, bleibt aber mit einer zarten Bitterkeit und dunkler Schokolade stets präsent. Insgesamt erinnert mich der Geschmack etwas an Schwarzwälder Kirschtorte.  

Abgang

Auch im Abgang bleibt der Eindruck süß und auch die Kirschen halten sich. Die Eiche mit ihrer zarten Bitterkeit und der dunklen Schokolade wird mit der Zeit erwartungsgemäß präsenter. Marzipan kommt hinzu. Das erinnert mich an Dominosteine, wie es sie zu Weihnachten bei uns zu Hause oft gab. Insgesamt mittellang und schön harmonisch und ausgewogen. 

Fazit

Ein einfach zu trinkender und trotzdem sehr leckerer Herbst-/Wintermalt. Um bei den ganz Großen mitzuspielen mangelt es ihm aufgrund des wahrscheinlich relativ jungen Alters etwas an Komplexität. Das Preis-Leistungsverhältnis ist allerdings fast unschlagbar.

Wertung: 8,4 / 10

Art: Single Malt
Land und Region: Schottland, Campbeltown
Destillerie: Glengyle
Alter: 8 Jahre
Alkoholgehalt: 56,2% Vol.
Fasstyp: Ex-Bourbonfässer
Farbe: Hellgold
Whiskybase ID: 94272

Nase

Der Erste Eindruck ist süß und leicht rauchig. Das allgemeine Aroma ist sehr leicht und frisch, der Rauch sehr angenehm. Der Alkohol kitzelt etwas in der Nase. Nach ein paar Minuten geht der Rauch etwas zurück und es kommt ein Schwall süßer und säuerlicher Zitrusfrüchte. Das Aroma wird etwas intensiver und die Süße geht zurück. Dann spüre ich den Rauch wieder stärker, dahinter verbergen sich Aprikosenmarmelade und Vanille. Auf lange Sicht wird das Gefühl in der Nase etwas trockener. Die sauren Zitrusfrüchte überwiegen und ein leicht würziges Aroma der Eiche hält sich dezent im Hintergrund.

Geschmack

Der Antritt auf der Zunge ist sehr intensiv, und deutlich süß. Ich finde fast keinen Rauch und der Alkohol prickelt leicht auf der Zunge. Dann kommt eine überwältigende Melange aus süßen Zitrusfrüchten, reifen Äpfeln und Pfirsichen. Dazu gesellen Honig und Vanille. Dann wird der Geschmack leicht bitter aber immer noch fruchtig (Grapefruits?), der Rauch kommt jetzt stärker hervor.

Abgang

Die Bitterkeit noch einmal ein ganzes Stück weit zu. Wirkliche Eichennoten kann ich aber nicht finden – hier sind pure Tannine am Werk. Die Zitrusfrüchte und der Rauch halten sich im Abgang ebenfalls lang und verdrängen schließlich sogar die Tannine. Gegen Ende kommt noch etwas angenehme Vanille hinzu.

Mit Wasser

Die Nase verändert sich nur wenig, das Mundgefühl wird etwas weicher. Der Alkohol ist auf der Zunge etwas besser eingebunden, die Bitterkeit der Tannine wird ebenfalls etwas abgebremst. Leider geht mit Wasser die „Fruchtexplosion“ am Gaumen etwas verloren, die mir beim ersten Probieren so gut gefallen hat. Ein zweischneidiges Schwert.

Fazit

Für das noch etwas junge Alter liefert Glengyle hier einen sehr guten Malt. Die Nase ist sehr interessant mit ständig wechselnden Eindrücken. Auf der Zunge zeigt er einen tollen Antritt mit einer wahren „Fruchtexplosion“. Die deutliche Bitterkeit, die nach ein paar Sekunden im Mund auftaucht und sich vor allem im Abgang sehr dominant ausbreitet, ist für meinen Geschmack aber etwas „too much“.

Wertung: 8,5 / 10